Rechenzentren im Erdorbit klingen noch immer wie Zukunftsmusik. Doch wenn Google und SpaceX tatsächlich über eine Zusammenarbeit sprechen, wird aus einer Vision schnell ein ernstzunehmendes Infrastrukturthema.
Google und SpaceX sollen laut einem Bericht des Wall Street Journal Gespräche über Rechenzentren im Weltraum führen. Im Kern geht es darum, Serverfarmen in den Erdorbit zu bringen und dort dauerhaft mit Solarenergie zu betreiben. Für KI-Anwendungen wäre das besonders interessant, weil der Energiebedarf großer Modelle und Rechencluster weiter massiv steigt.
Google verfolgt mit „Project Suncatcher“ bereits eigene Pläne für KI-Rechenzentren im Orbit. Eine erste Konstellation aus 81 Satelliten ist angedacht. SpaceX wäre dafür ein naheliegender Partner, schließlich verfügt das Unternehmen über umfangreiche Erfahrung mit Raketenstarts, Satelliteninfrastruktur und dem Betrieb großer Konstellationen. Zudem ist Google bereits seit 2015 an SpaceX beteiligt und hält rund 6 Prozent am Unternehmen.
Für SpaceX kommt das Thema zu einem strategisch günstigen Zeitpunkt. Der geplante Börsengang des Unternehmens dürfte Investoren anziehen, und neue Geschäftsmodelle wie orbitale Datenzentren könnten die Fantasie zusätzlich befeuern. Elon Musk sieht den Erdorbit aufgrund der dort verfügbaren Sonnenenergie perspektivisch als besonders günstigen Standort für KI-Rechenzentren.
Auch Anthropic zeigt Interesse an SpaceX-Infrastruktur. Zunächst geht es dabei um Rechenkapazitäten im Supercomputer Colossus, wodurch die Nutzungslimits für Claude-Abonnenten deutlich angehoben werden konnten. Langfristig stehen aber offenbar ebenfalls orbitale Rechenzentren mit mehreren Gigawatt Leistung im Raum.
Ganz ohne Gegenwind bleibt die Idee nicht. Sam Altman von OpenAI bezeichnete Rechenzentren im All Anfang des Jahres unter heutigen Bedingungen als wenig sinnvoll. Seine Kritik: hohe Transportkosten, anfällige Hardware und schwierige Reparaturen im Orbit. Auch Gartner sieht erhebliche Probleme, darunter begrenzte Datenübertragung zurück zur Erde, Kühlungsfragen im Vakuum und ineffiziente Wärmeableitung.
