Hinter den Kulissen wirkt Stargate weniger wie ein sauber geöltes Infrastrukturprogramm und mehr wie ein Konsortium, das erst einmal seine Rollen klären musste. Berichten zufolge hakte es über Monate an Zuständigkeiten und der Zusammenarbeit zwischen OpenAI, Oracle und SoftBank. Die Folge: kein nennenswerter Personalaufbau, keine erkennbare Entwicklung eigener Rechenzentren – und der Versuch, das Ganze aus eigener Kraft zu stemmen, lief ins Leere. Kreditgeber sollen sich schwer getan haben, milliardenschwere Bauvorhaben für ein Unternehmen zu finanzieren, das zwar enormes Wachstumspotenzial hat, aber zugleich ein verlustreiches, noch nicht vollständig „bewiesenes“ Geschäftsmodell.
Interessant ist der Strategiewechsel, der daraus entstanden ist: Statt sich in teure, kapitalintensive Eigenbauten zu verbeißen, setzt OpenAI vorerst stärker auf Partner – konkret auf Cloud- und Infrastruktur-Deals. Das passt zu dem, was OpenAIs Finanzchefin Sarah Friar öffentlich betont: Man wolle die eigene Bilanz bewusst entlasten und Risiken über Partnerschaften steuern. Aus der ursprünglichen Dreier-Konstellation ist damit faktisch eine bilateralere Arbeitsform geworden – insbesondere zwischen OpenAI und Oracle.
Ein greifbares Ergebnis dieser neuen Linie ist der offiziell verkündete Deal zwischen Oracle und OpenAI über 4,5 Gigawatt Kapazität an mehreren US-Standorten. Bemerkenswert daran: Laut den Berichten teilen beide Seiten einen Teil des wirtschaftlichen Risikos – bei Verzögerungen oder Kostenüberschreitungen tragen beide die Mehrkosten, bei Einsparungen profitieren beide. Das ist in der Praxis ein klares Signal: Infrastruktur wird hier nicht nur „eingekauft“, sondern als gemeinsame Wette organisiert.
Trotzdem bleiben die Verzögerungen nicht ohne Konsequenzen. OpenAI soll das Ziel verfehlt haben, bis Ende 2025 über SoftBank und Oracle Zusagen für insgesamt 10 Gigawatt zu sichern. Um den steigenden Bedarf an Rechenleistung dennoch abzudecken, wurden parallel weitere Vereinbarungen mit großen Cloud-Anbietern wie AWS und Google Cloud geschlossen – ergänzt um Deals mit AMD und dem Chip-Start-up Cerebras. Gleichzeitig deutet auch ein weiterer Punkt darauf hin, wie angespannt die Lage ist: Selbst ein im September 2025 angekündigter 10-Gigawatt-Deal mit Nvidia kommt offenbar nicht so schnell voran wie ursprünglich geplant.
Und doch: Stargate ist nicht tot. Laut den Berichten entstehen die Rechenzentren inzwischen sichtbar. In Texas gab es im Oktober den Spatenstich für einen 1-Gigawatt-Campus in Milam County. Dort wurde offenbar ein Kompromiss zwischen OpenAI und SoftBank gefunden: OpenAI soll langfristig mieten und das Design kontrollieren, während SoftBanks Tochter SoftBank Energy entwickelt und besitzt. Genau solche Konstruktionen sieht man häufig, wenn Tempo gebraucht wird, die Bilanz aber nicht mit maximalem Capex belastet werden soll.
