New York zieht beim Ausbau großer Rechenzentren vorübergehend die Bremse. Gouverneurin Kathy Hochul hat angeordnet, dass die Umweltbehörde des US-Bundesstaates maximal ein Jahr lang keine Genehmigungen für neue Anlagen ab 50 Megawatt erteilen soll. Wie lassen sich wachsender Rechenbedarf, stabile Strompreise und Umweltinteressen miteinander vereinbaren?
Bereits genehmigte Projekte bleiben von dem Moratorium unberührt. Die Auszeit soll genutzt werden, um ein allgemeines Umweltverträglichkeitsprofil für große Rechenzentren zu erarbeiten. Künftige Genehmigungsanträge sollen damit nach einheitlichen Kriterien bewertet werden.
Untersucht werden sollen unter anderem Energie- und Wasserverbrauch, Auswirkungen auf Luft und Gewässer, Lärmbelastung sowie mögliche überproportionale Folgen für bereits benachteiligte Wohngebiete. Das Moratorium endet, sobald das Umweltprofil fertiggestellt ist, spätestens jedoch nach einem Jahr.
Kommunen sollen stärker profitieren
Parallel arbeitet New York an einem „Community Investment Framework“. Der Leitfaden soll Kommunen bei Verhandlungen mit Rechenzentrumsbetreibern unterstützen. Vorgesehen sind beispielsweise Investitionen in Infrastruktur und Kindergärten oder direkte Zahlungen an betroffene Gemeinden.
Auch Gewerkschaften sollen einbezogen werden, um Mindestlöhne und Betriebsvereinbarungen für Bauprojekte auszuhandeln. Weitere mögliche Vorgaben betreffen den Einsatz lokaler Arbeitskräfte, Fortbildungsangebote und Ausbildungsplätze.
Im Rahmen von „Energize NY“ werden zudem Regeln vorbereitet, nach denen große Rechenzentren eigenen Strom erzeugen oder höhere Strompreise zahlen müssen. Zusätzlich soll geprüft werden, ob Betreiber in öffentliche Stromnetze investieren und erneuerbare Energiequellen für ihren Bedarf erschließen müssen. Damit sollen steigende Infrastrukturkosten nicht auf die Allgemeinheit verlagert werden.
Parlament fordert strengere Vorgaben
Ein vom Parlament Anfang Juni verabschiedetes Gesetz geht noch weiter. Es sieht ein einjähriges Moratorium bereits für Rechenzentren ab 20 Megawatt vor. Nach dessen Ende wären öffentliche Anhörungen Bestandteil des Genehmigungsverfahrens.
Darüber hinaus sollen Auswirkungen auf Wasser, Stromversorgung, Flächenverbrauch, Steueraufkommen und Umweltverschmutzung umfassend untersucht werden. Separate, höhere Wasser- und Stromtarife sollen sicherstellen, dass große Rechenzentren ihren vollständigen Anteil an den Kosten für Netze und Wasserinfrastruktur tragen.
Geplant sind außerdem verbindliche Standards für Energieeffizienz und erneuerbare Energien sowie Beiträge zur örtlichen Infrastruktur und zur Renovierung von Eigenheimen. Hochuls milderer Erlass wird allerdings als Hinweis gewertet, dass sie gegen das Gesetz ein Veto einlegen könnte. Gleichzeitig fordert sie, die bisherige Befreiung von der allgemeinen Verkaufssteuer für Rechenzentren abzuschaffen.
