2. Juli 2026

Microsoft plant weiteren KI-Serverstandort im Rheinischen Revier

Microsoft will seine Rechenzentrumsstrategie in Nordrhein-Westfalen weiter ausbauen. Geplant ist ein neuer KI-Serverstandort in Grevenbroich am Niederrhein. Nach Bedburg, Bergheim und Elsdorf wäre es bereits das vierte Rechenzentrum des Konzerns im Rheinischen Revier. Für eine Region, die durch den Kohleausstieg vor einem tiefgreifenden Strukturwandel steht, ist das ein deutliches Signal: Aus früherer Industrieinfrastruktur soll digitale Zukunftsinfrastruktur werden.

Microsoft hat dafür einen Kaufvertrag für ein bislang landwirtschaftlich genutztes Grundstück unterzeichnet. Die Fläche ist nach Angaben der Stadt 23 Hektar groß. Der Vertrag steht noch unter dem Vorbehalt der Baugenehmigung. Welche genaue Funktion der Standort innerhalb der Microsoft-Infrastruktur übernehmen soll, ist bislang offen. Wenn alles planmäßig läuft, könnte das Rechenzentrum in den frühen 2030er Jahren in Betrieb gehen.

Die Investitionssumme für Grevenbroich nennt Microsoft nicht. Im Raum steht ein hoher dreistelliger Millionenbetrag, möglicherweise auch rund eine Milliarde Euro. Für die bereits 2024 angekündigten Standorte in Bedburg, Bergheim und Elsdorf investiert der Konzern insgesamt 3,2 Milliarden Euro. Ein Teil davon fließt allerdings auch in eine Kapazitätserweiterung eines bestehenden Standorts in Frankfurt sowie in Schulungsprogramme zum Umgang mit Künstlicher Intelligenz. In Bedburg und Bergheim liegen die Baugenehmigungen bereits vor, dort könnte ein Teilbetrieb 2028 starten. Für Elsdorf wird die Genehmigung noch erwartet.

Der zusätzliche Standort zeigt, wie stark KI-Anwendungen den Bedarf an Rechenleistung erhöhen. Microsoft begründet die Erweiterung mit hoher Nachfrage und sieht vor allem Industriekonzerne aus Nordrhein-Westfalen als mögliche Kunden. Microsoft-Deutschlandchefin Agnes Heftberger bezeichnet NRW als strategisch wichtige Cloud- und KI-Region. Die Investition soll lokale Infrastruktur stärken und neue wirtschaftliche Perspektiven schaffen.

Auch beim Thema Arbeitsplätze sind die Erwartungen hoch. An zwei der bislang bekannten Standorte wird mit jeweils mehreren Hundert Jobs für den Betrieb gerechnet. Hinzu könnten jeweils rund 2500 Arbeitsplätze bei weiteren Unternehmen kommen, die sich rund um die Rechenzentren ansiedeln. Ein ähnlicher Effekt wäre auch für Grevenbroich möglich. Grevenbroichs Bürgermeister Klaus Krützen sieht in der Investition ein wichtiges Signal für das gesamte Rheinische Revier. NRW-Wirtschaftsministerin Mona Neubaur bewertet die Pläne als positives Zeichen für den Wirtschafts- und Digitalstandort Nordrhein-Westfalen und fasst den Wandel mit „Von der Kohle zur KI“ zusammen.

Grevenbroich steht nicht allein. Auch an anderen Orten in Deutschland entstehen große KI-Rechenzentrumsprojekte. Der US-Investor Blackstone plant im westfälischen Lippetal einen Standort mit einer Projektgröße von etwa vier Milliarden Euro. In Lübbenau in Brandenburg will die Schwarz-Gruppe sogar einen KI-Serverstandort für elf Milliarden Euro bauen.

Neben politischer Zustimmung gibt es Kritik aus der Zivilgesellschaft. Algorithm Watch verweist auf den hohen Strombedarf solcher Anlagen. Entscheidend sei, woher die zusätzliche Energie komme und wie effizient sowie nachhaltig die Rechenzentren betrieben würden. Aus Sicht der NGO gefährdet der aktuelle Ausbau weiterer Rechenzentren die deutschen Klimaziele, wenn der zusätzliche Bedarf nicht konsequent durch erneuerbare Energien gedeckt wird.

Microsoft betont dagegen nachhaltigere technische Lösungen. Die nächste Generation der Rechenzentren soll ein Kühlkonzept nutzen, das ohne Wasserverdunstung auskommt. Ist der Kühlkreislauf befüllt, müsse fast kein Kühlwasser mehr nachgefüllt werden.


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