17. Juli 2026

IBM modernisiert Mainframes und Legacy-Systeme mit KI-Assistent Bob 2.0

Wie lassen sich jahrzehntealte Unternehmensanwendungen effizient modernisieren, ohne bestehende Geschäftslogik zu verlieren? Genau hier setzt IBM mit Bob 2.0 an. Die neue Generation des KI-Assistenten soll Entwickler nicht nur beim Schreiben von Code unterstützen, sondern den gesamten Lebenszyklus von Enterprise-Software begleiten – von der Planung bis zur Modernisierung bestehender Anwendungen.

Im Vergleich zum bisherigen Watsonx Code Assistant arbeitet Bob 2.0 agentenbasiert und übernimmt Programmieraufgaben deutlich eigenständiger innerhalb der Entwicklungsumgebung. Dafür stellt IBM drei spezialisierte Premium-Pakete für Java, IBM i und IBM Z bereit. Sie liefern vorkonfigurierte Workflows für typische Modernisierungsprojekte in Unternehmensumgebungen.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Verständnis bestehender Software. Bob soll vorhandene Codebasen analysieren, auch wenn diese nur unzureichend dokumentiert sind. Dadurch unterstützt der Assistent unter anderem bei der Migration von Legacy-Anwendungen, umfangreichen Refactorings, Sicherheitsanalysen sowie der Überführung klassischer Anwendungen in moderne Cloud- und Microservice-Architekturen.

Neu ist außerdem die technische Architektur. Bob 2.0 basiert auf einem dreistufigen Konzept aus Agenten, einem sogenannten „Harness“ und den Clients. Während die Agenten für Analyse und Codegenerierung zuständig sind, übernimmt der Harness Aufgaben wie Authentifizierung, Protokollierung, Telemetrie sowie die kontrollierte Steuerung der KI. Diese einheitliche Plattform soll die Weiterentwicklung deutlich vereinfachen.

Mit vorgefertigten Workflows können Entwicklungsteams ihre Prozesse an die eigenen Anforderungen anpassen und gleichzeitig konsistente sowie nachvollziehbare Ergebnisse erzielen. Die neue Funktion „Bobalytics“ hilft dabei, Nutzung und Ressourcenverbrauch zu überwachen und den KI-Einsatz entsprechend interner Vorgaben zu steuern. Zusätzlich ermöglichen Subagenten die Bearbeitung komplexer Aufgaben in getrennten Kontexten, wodurch sowohl Antwortzeiten als auch Betriebskosten reduziert werden sollen.

Besonders interessant sind die drei neuen Premium-Pakete. Für IBM Z unterstützt Bob die Modernisierung von COBOL- und PL/I-Anwendungen sowie die Analyse von JCL. Das IBM-i-Paket bringt KI-native Entwicklung in klassische Unternehmensumgebungen und soll selbst jahrzehntealte Geschäftslogik in RPG, COBOL, CL oder Db2-Strukturen ohne umfangreiche Dokumentation nachvollziehen können. Das Java-Paket konzentriert sich auf Migrationen zu Java 25, groß angelegte Refactorings und die Analyse komplexer Abhängigkeiten.

Auch beim Preismodell geht IBM einen anderen Weg. Statt einer tokenbasierten Abrechnung setzt das Unternehmen auf ein Credit-System namens „Bobcoins“. Ein Bobcoin entspricht 0,50 US-Dollar. Der Einstieg in Bob Pro beginnt bei 20 US-Dollar beziehungsweise 40 Bobcoins pro Monat.

Gerade Unternehmen mit gewachsenen IT-Landschaften könnten von einem Werkzeug profitieren, das bestehende Anwendungen analysiert und Modernisierungsprojekte strukturiert unterstützt. Damit adressiert IBM eine der größten Herausforderungen vieler Rechenzentren: den sicheren Übergang von bewährten Legacy-Systemen zu modernen Softwarearchitekturen.


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