17. Juli 2026

Enercity bindet Vertragsverwaltung direkt in ChatGPT ein

Zählerstände melden, Vertragsdaten abrufen oder Kundeninformationen verwalten – dafür mussten Nutzer bislang meist eine App, ein Kundenportal oder den klassischen Serviceweg verwenden. Der Energieversorger enercity testet nun einen anderen Ansatz: Kunden sollen ausgewählte Verwaltungsaufgaben direkt in ChatGPT erledigen können.

Technische Grundlage ist eine Schnittstelle nach dem Model Context Protocol, kurz MCP. Sie wurde von enercity gemeinsam mit der Digitaltochter LYNQTECH entwickelt und verbindet ChatGPT mit ausgewählten Funktionen der enercity-Systeme. Nach der Verknüpfung des ChatGPT-Kontos mit dem Kundenkonto kann das Sprachmodell beispielsweise Vertragsdaten abrufen oder einen Zählerstand übermitteln.

Während der Testphase ist zunächst eine Anmeldung per E-Mail beim Kundenservice erforderlich. Anschließend sollen Teilnehmer das entsprechende Plug-in in ChatGPT installieren und sich einmalig mit ihrem enercity-Konto anmelden. Als Zielgruppe nennt das Unternehmen unter anderem Early Adopters sowie Menschen, die mit Sprachmodellen vertraut sind, klassische Apps jedoch als Hürde empfinden.

Komfort mit Einschränkungen

Enercity gibt an, die übermittelten Informationen möglichst stark zu begrenzen. Vollständige Namen und Adressen sollen beispielsweise nicht an ChatGPT übertragen werden. Daten, die Nutzer gezielt abfragen oder eingeben, laufen dennoch über die Server von OpenAI und können dort verarbeitet werden. Gerade Verbrauchsdaten können Rückschlüsse auf Lebensgewohnheiten oder persönliche Umstände ermöglichen.

Auch die Zuverlässigkeit bleibt ein kritischer Punkt. Die Entwickler haben nach eigener Aussage Maßnahmen getroffen, um erfundene oder fehlerhaft wiedergegebene Angaben zu vermeiden. Vollständig ausschließen lassen sich falsche Antworten zu Verträgen, Zählerständen oder anderen Kundendaten jedoch nicht.

Schnittstelle soll für weitere Modelle geöffnet werden

Langfristig möchte enercity die Funktion auch für andere Sprachmodelle verfügbar machen. Da MCP grundsätzlich nicht auf einen einzelnen Anbieter beschränkt ist, könnte dieselbe Schnittstelle künftig mit weiteren KI-Diensten genutzt werden.

Nach einigen Wochen will das Unternehmen auswerten, wie Kunden das Angebot annehmen. Bestehende Kontaktwege sollen vorerst erhalten bleiben. ChatGPT ergänzt damit zunächst App, Kundenportal und klassischen Service, statt sie zu ersetzen.


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