Künstliche Intelligenz kann längst zahlreiche Sprachen verstehen und verarbeiten. Doch kann sie auch völlig neue Sprachsysteme entwerfen, die sich bewusst von bekannten Mustern lösen? Forschende mehrerer internationaler Universitäten haben dafür das Werkzeug Conlang Crafter entwickelt.
Das im zugehörigen Forschungspapier vorgestellte System soll Sprachen erzeugen, die möglichst wenige Merkmale bestehender Sprachen übernehmen. Mehr als 60 solcher Konstruktionen sind bereits entstanden.
Eine davon trägt den Namen „Prtw(falling)“. Sie wurde für eine fiktive außerirdische Kopffüßerspezies entwickelt und verzichtet auf klassische Konsonanten und Vokale. Stattdessen werden Bedeutungen über Farben und Gesten vermittelt. Statische, pulsierende oder langsam wechselnde Farbverläufe übernehmen dabei die Funktion von Wörtern und Symbolen.
Andere Entwürfe orientieren sich stärker an irdischen Sprachsystemen, verwenden jedoch ungewöhnliche Regeln. In einer Variante müssen alle Wörter eines Satzes alphabetisch angeordnet sein. Weitere Sprachen verzichten vollständig auf Konsonanten oder kombinieren Elemente aus Japanisch und Esperanto.
Schrittweise vom Prompt zum Regelwerk
Ausgangspunkt ist eine Beschreibung der gewünschten Eigenschaften. Nutzer geben per Prompt vor, welche Anforderungen die neue Sprache erfüllen soll. Conlang Crafter erzeugt daraufhin erste Regeln und Beispielsätze und prüft, ob diese den Vorgaben entsprechen.
Erfolgreiche Ansätze werden anschließend weiterentwickelt. Auf diese Weise entsteht schrittweise ein zusammenhängendes Sprachsystem. Nach Angaben der Forschenden war es entscheidend, die komplexe Aufgabe nicht in einem einzigen Schritt bearbeiten zu lassen. Stattdessen wurde die Spracherstellung in mehrere kleinere Teilaufgaben zerlegt.
Conlang Crafter steht als Open-Source-Projekt über GitHub zur Verfügung. Die bislang entwickelten Sprachen wurden zusätzlich auf Hugging Face veröffentlicht. Damit können Interessierte eigene Sprachideen ausprobieren und nachvollziehen, wie aus einzelnen Anforderungen Regeln, Strukturen und Kommunikationsformen entstehen.
