Amazon legt nach und verstärkt seine KI-Ambitionen deutlich. Aber schafft das geplante Nova-Modell tatsächlich den Sprung in die Liga von OpenAI und Anthropic?
Wer die Entwicklungen im KI-Markt verfolgt, weiß: Reasoning-Modelle sind aktuell das Maß der Dinge, wenn es um komplexe Denkprozesse geht. Amazon plant nun, bis Mitte des Jahres unter der Eigenmarke „Nova“ ein neues KI-Modell zu veröffentlichen, das genau diese anspruchsvollen Fähigkeiten beherrschen soll. Schon im Dezember hatte Amazon das Reasoning-Modell „Nova Premier“ angekündigt – womöglich handelt es sich nun um genau dieses Projekt.
Amazon setzt auf Hybride KI – der richtige Weg?
Was mich besonders neugierig macht, ist der hybride Ansatz, den Amazon laut Business Insider verfolgen möchte. Das Modell soll sowohl blitzschnell einfache Antworten liefern können, als auch tiefergehende, komplexe Probleme lösen. Dieser Ansatz erinnert mich stark an Anthropics Claude 3.7 Sonnet, ein Modell, das gerade erst gezeigt hat, wie leistungsfähig hybride Ansätze sein können. Kein Zufall vermutlich, denn Anthropic und Amazon pflegen bereits eine intensive Partnerschaft – ganze acht Milliarden Dollar hat Amazon in das Startup investiert.
Preis-Offensive als Schlüssel zum Erfolg?
Interessant ist Amazons klares Signal in Richtung Kosteneffizienz: Das Unternehmen verspricht, dass das Nova-Modell günstiger sein wird als vergleichbare Produkte von Google, OpenAI oder Anthropic. Bereits jetzt liegen die Preise aktueller Nova-Modelle deutlich unter denen der Konkurrenz auf Amazons eigener KI-Plattform Bedrock. Hier könnte Amazon tatsächlich einen entscheidenden Vorteil herausarbeiten, ähnlich wie zuletzt DeepSeek.
Dennoch bleibt die Frage offen, ob die versprochenen niedrigen Preise und eine Top-5-Platzierung in externen Benchmarks reichen, um langfristig mitzuhalten. Die Latte wurde von der Konkurrenz bereits sehr hoch gelegt – echte Innovationen sind gefragt.
AWS baut Zukunft mit Agentic AI aus
Besonders spannend finde ich, dass Amazons Cloud-Tochter AWS zusätzlich eine eigene Arbeitsgruppe für sogenannte „Agentic AI“ ins Leben gerufen hat. Diese intelligenten Assistenten sollen künftig proaktiv Aufgaben übernehmen, noch bevor Nutzer:innen explizit danach fragen. AWS-Chef Matt Garman ist überzeugt, dass in diesen KI-Agenten enormes Potenzial steckt und spricht bereits von einem künftigen Milliardengeschäft.
Die Leitung der Gruppe übernimmt mit Swami Sivasubramanian ein erfahrener KI-Manager, der direkt an Garman berichtet. Zusammen mit weiteren internen Umstrukturierungen, etwa der Zusammenlegung wichtiger KI-Bereiche wie Bedrock und SageMaker, zeigt AWS klar, dass Amazon im KI-Bereich langfristig denkt und strategische Weichen stellt.
Realistische Erwartungen nötig
So beeindruckend diese Ankündigungen auch klingen: Reasoning-Modelle stecken noch immer in einer frühen Entwicklungsphase. Aktuelle Spezialmodelle wie OpenAIs o3-mini (high) erreichen gerade einmal mittelmäßige Ergebnisse in Benchmark-Tests. Auch wenn Amazon ambitioniert voranschreitet, braucht es Geduld, bis KI-Modelle tatsächlich auf hohem Niveau eigenständige Denkleistungen vollbringen.
