Oracle erweitert seine Fusion Cloud Applications um eine neue Generation von KI-Funktionen – und der Unterschied ist entscheidend. Statt klassischer Assistenten, die Vorschläge liefern oder einzelne Aufgaben erledigen, setzt Oracle auf koordinierte Teams aus KI-Agenten. Diese Agenten verfolgen eigenständig definierte Geschäftsziele und greifen dabei direkt auf Unternehmensdaten, Prozesse und Richtlinien zu.
Im Kern geht es darum, dass Unternehmen nicht mehr jeden einzelnen Schritt vorgeben müssen. Stattdessen formulieren Nutzer ein Ziel – etwa offene Forderungen reduzieren oder Lieferketten stabilisieren – und die KI übernimmt den Weg dorthin. Möglich wird das durch sogenannte agentische Anwendungen, von denen Oracle zum Start bereits 22 bereitstellt. Sie decken Bereiche wie Personal, Finanzen, Einkauf und Vertrieb ab.
Besonders interessant ist der Ansatz der Agenten-Teams. Jeder Agent übernimmt eine spezialisierte Rolle, ähnlich wie in einem echten Team. Gemeinsam koordinieren sie Aufgaben, treffen Entscheidungen und führen Aktionen aus. Unterstützt werden sie dabei durch Reasoning-Fähigkeiten, also die Fähigkeit, mehrstufige Zusammenhänge zu verstehen und darauf basierend Entscheidungen zu treffen. Ergänzt wird das Ganze durch den Zugriff auf externe Datenquellen – etwa Wetterdaten für Logistikprozesse oder Business-Netzwerke für Recruiting.
Parallel baut Oracle auch die Entwicklungsumgebung weiter aus. Mit neuen Tools wie einem Agentic Applications Builder, Workflow-Orchestrierung und Analysefunktionen für unstrukturierte Daten können Unternehmen eigene agentische Lösungen entwickeln oder bestehende anpassen. Ein zentraler Punkt dabei: Die Agenten lernen aus Kontext und vergangenen Interaktionen, wodurch sie mit der Zeit effizienter agieren.
Strategisch beschreibt Oracle diesen Wandel als Übergang vom „System of Records“ zum „System of Outcomes“. Anwendungen sollen also nicht mehr nur Daten verwalten, sondern aktiv Ergebnisse liefern. Gleichzeitig bleibt die Frage, wie zuverlässig solche autonomen Systeme im Alltag funktionieren. Oracle begegnet diesen Bedenken mit bestehenden Sicherheits- und Governance-Mechanismen, die vollständig integriert bleiben und für Nachvollziehbarkeit sorgen.
Auch beim Geschäftsmodell geht Oracle neue Wege. Die Nutzung der KI-Agenten soll über sogenannte „Action Units“ abgerechnet werden – mit einem Einstiegskontingent und nutzungsabhängigen Kosten darüber hinaus. Konkrete Preise sind allerdings noch offen.
