Kurz gesagt: Anthropic hat betroffene Claude-Nutzer vorsorglich ausgeloggt und hinterlegte Zahlungsmittel entfernt, nachdem Infostealer Login-Sessions gestohlen und für unbefugte Zugriffe auf Konten und verfügbare Token genutzt hatten. Betroffene sollten ihre Systeme zunächst auf Malware prüfen und erst danach ihre Konten vollständig absichern.
Mehrere Claude-Nutzer berichten, dass Anthropic sie unerwartet aus ihren Konten ausgeloggt hat. Hintergrund ist offenbar eine Infostealer-Kampagne, bei der Cyberkriminelle Zugangsdaten und aktive Login-Sessions von Rechnern entwendet haben. Wie lässt sich ein Konto absichern, wenn nicht nur ein Passwort, sondern bereits eine aktive Sitzung kompromittiert wurde?
Nach Angaben aus einer von Anthropic versandten E-Mail hat das Unternehmen bei betroffenen Konten unmittelbar reagiert: Nutzer wurden ausgeloggt und hinterlegte Zahlungsmittel entfernt. Erst nach einer erneuten Anmeldung müssen Zahlungsinformationen wieder eingetragen werden.
Gestohlene Sessions ermöglichen Zugriff auf Claude
Anthropic zufolge haben Angreifer mit Infostealern Claude-Login-Sessions von Rechnern gestohlen. Diese Sessions wurden anschließend genutzt, um auf betroffene Konten zuzugreifen und verfügbare Token zu verbrauchen.
Ein möglicher Hinweis auf einen solchen Missbrauch sind Nutzungslimits, die scheinbar wieder aufgefüllt und anschließend erneut aufgebraucht wurden, obwohl der eigentliche Nutzer Claude in diesem Zeitraum nicht verwendet hat.
Anthropic untersucht den Vorfall weiter. Die bisherigen Indizien sprechen jedoch dafür, dass die Rechner der Betroffenen mit Schadsoftware infiziert waren. Tablets und Smartphones scheinen von der beschriebenen Kampagne nicht betroffen zu sein.
Zu den bislang identifizierten Infostealern zählen unter Windows Vidar, Lumma, StealC, RedLine und Acreed. Auf einer kleineren Zahl von Macs wurde zudem Atomic Stealer festgestellt.
Erst das Gerät bereinigen, dann das Konto absichern
Für Betroffene reicht es deshalb nicht aus, lediglich das Claude-Passwort zu ändern. Zunächst sollte das betroffene System auf Malware untersucht und der Infostealer entfernt werden.
Anschließend empfiehlt Anthropic beziehungsweise ergeben sich aus den beschriebenen Maßnahmen weitere Schritte zur Kontosicherung: Passwort des E-Mail-Kontos erneuern, aktive Sitzungen auf anderen Geräten beenden und Zwei-Faktor-Authentifizierung aktivieren. Auch im Browser gespeicherte Passwörter sollten idealerweise geändert werden. Zusätzlich kann eine Kontrolle von Kontoauszügen und Kreditkartennutzung sinnvoll sein.
Erst nachdem das System bereinigt und die verbundenen Konten abgesichert wurden, sollten Zahlungsinformationen wieder im Claude-Account hinterlegt werden.
Ein betroffener Nutzer berichtet auf Reddit, dass Zugangsdaten und Session-Cookies offenbar aus seinem Chrome-Browser entwendet wurden, obwohl er bereits Zwei-Faktor-Authentifizierung eingesetzt hatte. Zugleich bewertet er die schnelle Reaktion von Anthropic positiv, weil dadurch der mögliche Schaden begrenzt worden sei.
Der Fall zeigt, wie wichtig der Schutz lokaler Geräte und gespeicherter Browser-Sitzungen bei der Nutzung von KI-Diensten ist. Wer Entwicklungen rund um KI-Sicherheit, neue Angriffswege und Schutzmaßnahmen im Blick behalten möchte, findet im Newsletter „Beratung-KI“ regelmäßig aktuelle Einordnungen.
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