Kurz gesagt: Die Schweizer Großbank UBS will ab 2027 bei neu eingestellten Investmentbankern und -bankerinnen praktische KI-Kenntnisse voraussetzen. Bewerber sollen zeigen, wie sie Künstliche Intelligenz bereits eingesetzt haben und damit Ergebnisse sowie Effizienz verbessern können. Klassische Qualifikationen bleiben bestehen, werden jedoch um KI-Kompetenz ergänzt.
Wer künftig bei der UBS im Investmentbanking arbeiten möchte, muss neben fachlicher Qualifikation zunehmend auch Erfahrung mit KI mitbringen. Wird der praktische Umgang mit Künstlicher Intelligenz damit zu einer neuen Grundanforderung im Bankwesen?
Nach einem Bericht der Financial Times unter Berufung auf anonyme Quellen will UBS bei Bewerberinnen und Bewerbern künftig konkret prüfen, wie sie KI bislang eingesetzt haben. Entscheidend soll dabei sein, ob Kandidaten zeigen können, wie sich mit KI sowohl Ergebnisse als auch Arbeitsabläufe verbessern lassen.
Die neue Anforderung ersetzt klassische Qualifikationen nicht, sondern kommt zusätzlich hinzu. Laut Financial Times geht UBS damit weiter als viele Wettbewerber. Santander soll für einzelne Positionen allerdings bereits gezielt nach „fortgeschrittenen KI-Usern“ gesucht haben.
KI übernimmt bereits klassische Nachwuchsaufgaben
Die Vorgaben sollen für Neueinstellungen gelten, die ab 2027 bei UBS beginnen. Dahinter steht eine Entwicklung, die im Bankensektor bereits deutlich sichtbar ist: Kreditinstitute setzen KI-Werkzeuge zunehmend für Routinearbeiten ein, die bislang häufig von Nachwuchskräften übernommen wurden.
Dazu zählen Finanzanalysen, Recherchen und die Vorbereitung von Präsentationen. UBS nutzt KI zudem bereits für weitere Aufgaben. Die Financial Times berichtete im Mai, dass die Bank Avatare eigener Analystinnen und Analysten erstellt, die in Videos für Kunden auftreten. Dadurch soll den Beschäftigten mehr Zeit für andere Tätigkeiten bleiben.
Ob die zusätzlichen KI-Anforderungen künftig auch zu weniger Neueinstellungen bei UBS führen, bleibt offen. Die Financial Times macht dazu keine Angaben.
Eine zuvor zitierte Analyse der US-Großbank Morgan Stanley zeigt jedoch, welche Größenordnung die Automatisierung im europäischen Bankensektor erreichen könnte. Demnach könnten bis 2030 rund zehn Prozent der Arbeitsplätze wegfallen und entsprechende Tätigkeiten von KI-Technik übernommen werden. Für Europas Finanzindustrie entspräche das mehr als 210.000 Stellen. Als Gründe wurden erwartete Effizienzsteigerungen von 30 Prozent sowie weitere Filialschließungen genannt.
Damit verändert KI nicht nur einzelne Arbeitsabläufe, sondern zunehmend auch die Qualifikationsprofile im Finanzsektor. Für Bewerber wird praktische KI-Kompetenz damit neben klassischen Fachkenntnissen zu einem zusätzlichen Kriterium, das bereits beim Berufseinstieg relevant werden kann.
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