15. September 2026

KI-Nutzung in Unternehmen steigt stark – Potenzial bleibt oft ungenutzt

Kurz gesagt: 57 Prozent der deutschen Unternehmen ab 20 Beschäftigten setzen inzwischen Künstliche Intelligenz ein – deutlich mehr als noch vor einem Jahr. Gleichzeitig schöpfen viele Betriebe das Potenzial bislang kaum aus. Hohe Aufwände für Infrastruktur, Datenaufbereitung und Integration sowie Datenschutz, fehlendes Know-how und Unsicherheit rund um den AI Act bremsen den produktiven Einsatz.

Künstliche Intelligenz hat sich innerhalb kurzer Zeit in vielen deutschen Unternehmen etabliert. Laut einer repräsentativen Bitkom-Befragung von 603 Unternehmen nutzen inzwischen 57 Prozent KI. Vor einem Jahr waren es 36 Prozent, 2024 erst 20 Prozent. Weitere 38 Prozent planen einen Einsatz oder diskutieren darüber. Nur für 4 Prozent spielt KI nach eigener Aussage keine Rolle.

Der schnelle Anstieg bedeutet allerdings nicht, dass KI bereits umfassend in Geschäftsprozesse integriert ist. 59 Prozent der Unternehmen mit KI-Einsatz geben an, das Potenzial bislang überhaupt nicht auszuschöpfen. Weitere 28 Prozent nutzen es nach eigener Einschätzung nur wenig. Lediglich 3 Prozent sprechen von einer eher starken Ausschöpfung, vollständig nutzt nach eigener Aussage kein befragtes Unternehmen die Möglichkeiten.

KI erreicht zunehmend interne Prozesse und Produkte

Am häufigsten wird KI weiterhin im Kundenkontakt eingesetzt. 72 Prozent der KI-Anwender nutzen sie dort beispielsweise zur Bearbeitung von Anfragen. Marketing und Kommunikation folgen mit 54 Prozent.

Zunehmend erreicht die Technologie jedoch Fachbereiche und interne Abläufe. 25 Prozent setzen KI im Controlling und Rechnungswesen ein, jeweils 22 Prozent im Wissensmanagement und in Produktionsprozessen. 20 Prozent integrieren KI bereits in eigene Produkte oder Dienstleistungen. Im Vertrieb liegt der Anteil bei 14 Prozent, in IT-Abteilungen bei 9 Prozent. Jedes sechste Unternehmen nutzt KI in Forschung und Entwicklung.

Auch KI-Agenten gewinnen an Bedeutung. Solche Systeme sollen nicht nur Antworten liefern, sondern mehrstufige Aufgaben selbstständig bearbeiten, beispielsweise Angebote einholen, Preise vergleichen oder Handlungsoptionen vorbereiten. 11 Prozent der Unternehmen, die KI bereits einsetzen, planen oder diskutieren, nutzen solche Agenten schon. Weitere 29 Prozent planen ihren Einsatz, 31 Prozent beschäftigen sich mit dem Thema.

Nutzen zeigt sich – der Aufwand liegt häufig hinter der eigentlichen KI

Zwei Drittel der KI-Anwender sehen ihre Wettbewerbsposition durch den Einsatz verbessert. 48 Prozent berichten von deutlich schnelleren internen Prozessen, 45 Prozent von einem messbaren Beitrag zum Unternehmenserfolg. 40 Prozent erreichen nach eigener Einschätzung eine bessere Qualität ihrer Produkte oder Dienstleistungen, 36 Prozent haben mithilfe von KI neue Angebote entwickelt.

Die größten Kosten entstehen dabei offenbar nicht primär durch KI-Lizenzen. 51 Prozent nennen Infrastruktur wie Cloud-Dienste und Rechenleistung als großen Kostenfaktor. Fast ebenso häufig wird die Aufbereitung von Daten genannt, 41 Prozent verweisen auf die Integration in bestehende Systeme. Nur 21 Prozent stufen Lizenzen für KI-Software als großen Kostenposten ein.

Trotz dieser Aufwände wollen 45 Prozent der Unternehmen 2026 mehr Geld für KI ausgeben als im Vorjahr. Die Hälfte plant unveränderte Budgets, lediglich 3 Prozent wollen ihre Ausgaben reduzieren. Für eine erfolgreiche KI-Einführung reicht es damit häufig nicht, lediglich ein Modell oder eine Software bereitzustellen. Daten, Infrastruktur und bestehende IT-Landschaften entscheiden wesentlich darüber, wie umfassend sich KI tatsächlich nutzen lässt.

Wissen, Datenschutz und Regulierung bleiben zentrale Hürden

Bei Unternehmen ohne KI-Einsatz fehlt vor allem technisches Know-how. 85 Prozent nennen mangelndes Wissen zur Implementierung als Hindernis. Zwei Drittel verweisen auf rechtliche Unsicherheit, 63 Prozent auf schwer kalkulierbare Kosten. Gut die Hälfte nennt fehlende personelle Ressourcen.

Unternehmen mit praktischer KI-Erfahrung setzen andere Schwerpunkte: 66 Prozent nennen Datenschutzanforderungen, 56 Prozent rechtliche Unsicherheit und 54 Prozent schlecht planbare Kosten. 45 Prozent sorgen sich darum, dass Unternehmensdaten in falsche Hände gelangen könnten. Die Qualität der KI-Ergebnisse ist dagegen für 26 Prozent ein Hemmnis, mangelnde Nachvollziehbarkeit für 25 Prozent.

Parallel wächst das Weiterbildungsangebot. 70 Prozent aller Unternehmen schulen ihre Beschäftigten inzwischen zumindest teilweise im Umgang mit KI. Unter den KI-Anwendern liegt dieser Anteil bei 91 Prozent. Dennoch bewerten zwei Drittel der Unternehmen die KI-Kompetenzen ihrer Belegschaft weiterhin als gering.

AI Act und Beschäftigung sorgen für Unsicherheit

91 Prozent der befragten Unternehmen betrachten KI inzwischen als wichtigste Zukunftstechnologie. Im Vorjahr waren es 81 Prozent, 2024 noch 73 Prozent. 80 Prozent sehen KI vor allem als Chance, 18 Prozent eher als Risiko. Zugleich meinen 61 Prozent, Unternehmen ohne KI-Nutzung hätten keine Zukunft. 34 Prozent sorgen sich jedoch, dass KI die Existenz des eigenen Unternehmens gefährden könnte.

Auch der europäische AI Act beschäftigt die Wirtschaft zunehmend. 37 Prozent gehen davon aus, als Anwender von der Verordnung betroffen zu sein, weitere 34 Prozent prüfen ihren Status noch. Von diesen Unternehmen rechnen 89 Prozent mit einem hohen Umsetzungsaufwand. Zwei Drittel aller Befragten sehen im AI Act mehr Nachteile als Vorteile für deutsche Unternehmen.

Bei den Auswirkungen auf Beschäftigung ergibt sich ebenfalls kein einheitliches Bild. 57 Prozent erwarten innerhalb der kommenden zwei Jahre einen Rückgang ihrer Beschäftigtenzahl durch KI, darunter 12 Prozent einen deutlichen. 14 Prozent rechnen dagegen mit einem leichten Anstieg. Unternehmen mit praktischer KI-Erfahrung erwarten einen deutlichen Stellenabbau seltener als Betriebe ohne KI-Einsatz und rechnen zugleich häufiger mit zusätzlicher Beschäftigung.

Die Ergebnisse zeigen damit eine klare Verschiebung: Für viele Unternehmen stellt sich nicht mehr grundsätzlich die Frage, ob KI eingesetzt wird, sondern wie sie sinnvoll in Prozesse, Datenbestände und Organisation eingebunden werden kann. Genau an dieser Stelle gewinnen strukturierte Einführung, Kompetenzaufbau und eine realistische Bewertung technischer sowie regulatorischer Anforderungen an Bedeutung.

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