Mit Grok 4.5 bringt xAI ein neues KI-Modell an den Start, das nicht nur bei Programmierung und agentenbasierten Aufgaben punkten soll, sondern vor allem über den Preis angreift. Kann xAI damit zur günstigeren Alternative im oberen Leistungssegment werden?
Das Modell wurde laut xAI auf zehntausenden Nvidia-GB300-GPUs trainiert und ist auf Software-Engineering, Wissensarbeit und mehrstündige Agentenläufe ausgelegt. Beim Training setzte xAI nach eigenen Angaben auf umfangreiche Datenfilterung, Deduplizierung und domänenspezifische Auswahl. Das Reinforcement Learning umfasst hunderttausende Aufgaben, vor allem aus dem Softwarebereich, die automatisiert bewertet wurden. Die Infrastruktur ist dabei auf asynchrones Lernen ausgelegt: Agentenbasierte Durchläufe können über viele Stunden laufen, während das Training parallel fortgesetzt wird.
Laut Elon Musk kommt Grok 4.5 auf 1,5 Billionen Parameter und ist damit dreimal so groß wie Grok 4.3. Das Kontextfenster fällt allerdings kleiner aus: Statt 1 Million Tokens unterstützt das neue Modell 500.000 Tokens.
In Benchmarks kratzt Grok 4.5 am Frontier-Niveau. Bei DeepSWE, Terminal Bench und SWE Bench Pro liegt es zwar noch deutlich hinter Anthropics Fable 5 und teilweise knapp hinter OpenAIs GPT-5.5, übertrifft im agentischen Coding-Benchmark Terminal Bench aber Anthropics Opus 4.8. Artificial Analysis führt Grok 4.5 auf Platz vier seines Intelligence Index, hinter Fable 5, GPT-5.5 und Opus 4.8. Gegenüber Grok 4.3 steigt der Wert demnach um 16 Punkte.
Der eigentliche Angriffspunkt ist der Preis. xAI verlangt 2 Dollar pro Million Input-Tokens und 6 Dollar pro Million Output-Tokens. Opus 4.8 liegt zum Vergleich bei 5 beziehungsweise 25 Dollar, Fable 5 bei 10 beziehungsweise 50 Dollar und GPT-5.5 beziehungsweise GPT-5.6 bei 5 beziehungsweise 30 Dollar. Zusätzlich soll Grok 4.5 bei SWE-Bench-Pro-Aufgaben 4,2-mal weniger Tokens benötigen als Opus 4.8 und Ergebnisse mit 80 Tokens pro Sekunde liefern.
Auch Artificial Analysis bewertet das Modell als sehr kosteneffizient. Eine Aufgabe im Intelligence Index kostet demnach nur 0,31 Dollar. Im Coding Agent Index erreicht Grok 4.5 in Grok Build 76 Punkte, auf Augenhöhe mit GPT-5.5 in Codex und knapp hinter Fable 5 in Claude Code. Die Kosten pro Aufgabe fallen dabei deutlich niedriger aus: 2,49 Dollar für Grok 4.5, 5,07 Dollar für GPT-5.5 und 11,80 Dollar für Fable 5. Der durchschnittliche Tokenverbrauch liegt bei Grok 4.5 bei 1,9 Millionen Tokens pro Aufgabe, gegenüber 6,2 Millionen bei GPT-5.5 und 7,2 Millionen bei Fable 5.
Für Unternehmen und Entwickler ist diese Kombination relevant, weil bei produktiven KI-Agenten nicht nur Benchmark-Leistung zählt, sondern auch Laufzeit, Tokenverbrauch und Kosten pro erledigter Aufgabe. Sollte sich die Effizienz in realen Workflows bestätigen, könnte Grok 4.5 vor allem dort interessant werden, wo viele Coding- oder Wissensaufgaben automatisiert verarbeitet werden.
Eine Schwäche nennt Artificial Analysis allerdings ebenfalls: Die Genauigkeit im AA-Omniscience-Index steigt zwar von 35 auf 52 Prozent, gleichzeitig erhöht sich die Halluzinationsrate aber von 25 auf 54 Prozent. Größere Modelle wissen damit mehr, treten jedoch auch überzeugter mit falschem Wissen auf.
Grok 4.5 ist ab sofort in Grok Build, Cursor und über die xAI-Konsole verfügbar. Plugins gibt es außerdem für Word, PowerPoint und Excel. In der EU ist das Modell noch nicht verfügbar; der Start ist laut xAI für Mitte Juli geplant. Trainiert wurde Grok 4.5 gemeinsam mit dem Code-Editor Cursor, den SpaceX Mitte Juni für 60 Milliarden US-Dollar in Aktien übernommen hat.
