Künstliche Intelligenz entfaltet ihren Wert nicht durch Rechenzentren, sondern durch das, was Unternehmen mit ihr erreichen können.
Satya Nadella, CEO von Microsoft, hat beim Weltwirtschaftsforum in Davos einen bemerkenswert nüchternen Blick auf den aktuellen KI-Boom geworfen. Von einer spekulativen Blase will er nichts wissen – zumindest solange KI nicht nur als Technologie bewundert wird, sondern messbaren Nutzen stiftet. Genau darin sieht er den entscheidenden Prüfstein: Produktivitätsgewinne, bessere Gesundheitsversorgung, effizientere Verwaltung und eine gestärkte Wettbewerbsfähigkeit der Wirtschaft.
Ein zentraler Punkt seiner Argumentation betrifft die viel diskutierte digitale Souveränität, insbesondere in Europa. Nadella löst sie bewusst vom physischen Standort von Rechenzentren. Für ihn liegt Souveränität nicht primär darin, wo Daten verarbeitet werden, sondern darin, ob Unternehmen die Kontrolle über ihre Daten und ihr implizites Wissen behalten. Wer dieses Wissen in eigenen KI-Modellen abbilden kann und Schlüssel sowie Verschlüsselung in der eigenen Hand hält, agiert souverän – unabhängig davon, ob ein Dienst technisch in Frankfurt, Dublin oder anderswo läuft.
Gleichzeitig betont Nadella, dass Technologie allein nicht genügt. KI wirkt als kognitiver Verstärker für Wissensarbeit, doch dieser Effekt stellt sich nur ein, wenn Unternehmen ihre Strukturen anpassen. Klassische Informationshierarchien verlieren an Bedeutung, Führungskräfte müssen Prozesse neu denken und selbst praktische KI-Erfahrung sammeln. Das ist weniger eine technische als eine organisatorische Herausforderung und erfordert konsequentes Change-Management, gerade in großen Organisationen.
