Anthropic legt sich fest: Der KI-Chatbot Claude soll ohne Werbung auskommen. Was bedeutet das für Unternehmen und für alle, die KI heute schon produktiv einsetzen?
Anthropic positioniert sich damit bewusst gegen ein Modell, das wir aus der Suchmaschinenwelt gut kennen: gesponserte Links, subtil beeinflusste Antworten oder Anreize, Gespräche in eine bestimmte Richtung zu lenken. Der Kernpunkt ist nachvollziehbar: In KI-Chats landen oft deutlich persönlichere Informationen als in klassischen Suchanfragen – von internen Projektdetails bis zu sensiblen Entscheidungen. Sobald Werbung im Spiel ist, entsteht automatisch ein Interessenkonflikt: Dient die Antwort wirklich dem Nutzer – oder dem nächstbesten Conversion-Ziel?
Gleichzeitig heißt „werbefrei“ nicht „unkommerziell“. Anthropic will Claude weiterhin über Abos und Unternehmensverträge finanzieren. Dazu kommen geplante E-Commerce-Transaktionen: Claude soll im Auftrag der Nutzer buchen oder einkaufen können. Das klingt nach Komfort – und es ist auch ein potenzieller Umsatzhebel, etwa über Transaktionsgebühren. Entscheidend ist hier die Governance: Wie transparent sind Empfehlungen, wenn eine Transaktion möglich ist? Und wie wird sichergestellt, dass Claudes „Motivation“ tatsächlich bei der bestmöglichen Hilfe bleibt?
Spannend ist der Timing-Aspekt: Anthropic äußert sich kurz nachdem OpenAI seine Werbepläne für ChatGPT publik gemacht hat und das Thema in eigenen Videos sogar ironisch aufgreift. Für den Markt ist das ein Signal: KI-Anbieter differenzieren sich nicht mehr nur über Modellqualität, sondern zunehmend über Geschäftsmodell, Datenschutz- und Anreizstrukturen. Für Entscheiderinnen und Entscheider wird damit eine neue Frage zentral: Welchem Anbieter vertraue ich meine Daten, Prozesse und Entscheidungen an – und warum?
