Ein neuer Herausforderer aus dem Osten betritt die Bühne.
Was macht Alibabas Qwen3-Coder zur ernstzunehmenden Konkurrenz für Claude & Co.?
Mit dem Qwen3-Coder bringt Alibaba ein beeindruckend leistungsfähiges Open-Source-Modell für Programmieraufgaben auf den Markt. Besonders spannend: Der Ansatz ist stark auf agentisches Verhalten ausgelegt – das Modell kann also eigenständig Tools nutzen und komplexe Interaktionen durchführen. Für Entwickler:innen weltweit könnte das bedeuten: Mehr Effizienz bei weniger Kosten.
Die Hauptversion, Qwen3-Coder-480B-A35B-Instruct, basiert auf einer Mixture-of-Experts-Struktur mit satten 480 Milliarden Parametern, von denen gleichzeitig 35 Milliarden aktiv sind. Damit liegt das Modell technisch auf Augenhöhe mit westlichen Spitzenmodellen – Alibaba vergleicht es selbstbewusst mit Claude Sonnet 4. Der Clou: Das Kontextfenster umfasst bis zu 256.000 Token und kann sogar auf eine Million erweitert werden – ideal für umfangreiche Projekte mit viel Code, Dokumentation oder API-Bibliotheken.
Auch beim Training fährt Alibaba große Geschütze auf: 7,5 Billionen Token, davon 70 Prozent Code. Dazu kommt ein Post-Training über Long-Horizon Reinforcement Learning, das dem Modell beibringt, in komplexen Umgebungen mit Feedback umzugehen. Getestet wurde in 20.000 parallelen Instanzen in der Alibaba Cloud. Erste externe Benchmarks zeigen: Das System liefert. In einem Test mit zehn realen Coding-Herausforderungen schnitt Qwen3-Coder in neun Fällen besser ab als Claude Sonnet 4 – bei höherer Genauigkeit.
Ein weiteres Highlight ist das Tool „Qwen Code“, ein Kommandozeilenprogramm für Entwickler:innen, das mit Gemini Code als Grundlage speziell für Qwen3-Coder angepasst wurde. Es unterstützt das OpenAI-SDK, lässt sich flexibel konfigurieren und ist mit gängigen Entwicklungsumgebungen kompatibel.
Derzeit ist das größte Modell zwar noch zu mächtig für Standard-GPUs, aber über das Alibaba Cloud Model Studio via API zugänglich. Weitere, kleinere Modellvarianten sind bereits in Arbeit, mit dem Ziel, Leistung und Kosten besser auszubalancieren.
