24. September 2026

Bundestag entwickelt eigenen KI-Chatbot für sichere Parlamentsarbeit

Kurz gesagt: Der Bundestag plant einen eigenen KI-Chatbot für Abgeordnete und Mitarbeitende. Die Anwendung soll Routineaufgaben übernehmen, personenbezogene Daten schützen und eine kontrollierte Alternative zu externer „Schatten-KI“ bieten. Der Einsatz bleibt freiwillig und ist zunächst auf zwölf Monate angelegt.

Künstliche Intelligenz soll künftig auch die tägliche Arbeit im Bundestag unterstützen. Bis Ende des Jahres soll dafür eine eigene KI-Anwendung bereitstehen, wie Bundestagsvizepräsidentin Andrea Lindholz (CSU) angekündigt hat. Doch welche Aufgaben kann ein solches System im parlamentarischen Alltag sinnvoll übernehmen?

Vorgesehen ist der Chatbot vor allem als Werkzeug zur Entlastung. Er soll beispielsweise gesprochene Inhalte transkribieren, Texte sprachlich überarbeiten, bei der Vorbereitung von Vorträgen unterstützen und Standardanfragen sortieren. Ein konkreter Anwendungsfall betrifft Bürgeranliegen: Da Parlamentsbüros zunehmend automatisierte Massenpost erhalten, soll die KI Muster erkennen und relevante Nachrichten besser herausfiltern.

Ein wesentlicher Grund für die Entwicklung einer eigenen Lösung ist der Umgang mit sogenannter Schatten-KI. Abgeordneten kann als freien Mandatsträgern die Nutzung externer KI-Werkzeuge durch die Verwaltung nicht grundsätzlich untersagt werden. Mit einem eigenen System soll deshalb eine kontrollierte Alternative geschaffen werden, die stärker auf die Sicherheits- und Datenschutzanforderungen des Bundestags zugeschnitten ist.

Die technische Lösung eines Berliner Startups soll verschiedene große Sprachmodelle flexibel einbinden können. Personenbezogene Daten sollen dabei maskiert und sensible Informationen herausgefiltert werden, bevor sie das eigentliche KI-System erreichen.

Reden sollen nicht vollständig von KI stammen

Für die Nutzung sind klare Vorgaben vorgesehen, die sich am AI Act orientieren. Die Eingabe personenbezogener Daten soll untersagt sein. Vollständig von KI erzeugte Texte und Bilder müssen gekennzeichnet werden. Zudem sollen Abgeordnete und Mitarbeitende zunächst Schulungen absolvieren und Nutzungshinweise unterzeichnen. Jeder Nutzer erhält aus Sicherheitsgründen einen individuellen Zugang, die Verwendung des Systems bleibt jedoch freiwillig.

Bei politischen Inhalten soll KI nach Vorstellung von Lindholz vor allem unterstützend eingesetzt werden. Ideenfindung oder sprachliche Überarbeitung seien mögliche Einsatzfelder. Vollständig KI-generierte Reden oder Grußworte lehnt sie hingegen ab, da persönliche Haltung, Emotion und politische Zuspitzung dabei verloren gehen könnten. Die Verantwortung für Prüfung und Verlässlichkeit veröffentlichter Inhalte bleibt beim jeweiligen Mandatsträger.

Zunächst ist eine zwölfmonatige Testphase geplant. Anschließend soll bewertet werden, wie sich die Anwendung im parlamentarischen Alltag bewährt und welche Anpassungen angesichts der weiteren Entwicklung des KI-Marktes und neuer Sicherheitsanforderungen erforderlich sind.

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