30. August 2026

KI in Unternehmen: Vertrauen und Investitionen wachsen schneller als die Gewinne

Kurz gesagt: Unternehmen setzen KI immer breiter ein und investieren weiter, doch messbare Gewinnbeiträge bleiben laut McKinsey bislang begrenzt. Während Produktivität, Innovation und Einsparungen zunehmen, führen nur wenige Unternehmen einen erheblichen Anteil ihres EBIT direkt auf KI zurück.

Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen längst vom Experiment zum regulären Werkzeug geworden. Doch folgt der zunehmenden Nutzung auch ein entsprechender finanzieller Ertrag? Eine McKinsey-Studie mit 1.719 Fachleuten und Führungskräften aus 97 Ländern zeigt ein gemischtes Bild.

Rund 37 Prozent der Befragten geben an, dass KI zumindest einen gewissen Einfluss auf den operativen Gewinn ihres Unternehmens hat – praktisch derselbe Anteil wie im Vorjahr. Auch die Gruppe der von McKinsey als KI-Spitzenreiter eingestuften Unternehmen bleibt mit sechs Prozent unverändert. Diese Unternehmen führen mindestens fünf Prozent ihres EBIT auf den KI-Einsatz zurück und bewerten dessen Auswirkungen als erheblich.

Nutzen zeigt sich nicht nur beim Gewinn

McKinsey sieht dennoch Anzeichen dafür, dass Unternehmen auf dem Weg zu einem Return on Investment sind. Befragte nennen Vorteile bei Innovation, Wettbewerb, Kunden- und Mitarbeiterzufriedenheit. Selbst dort, wo sich noch kein Effekt auf den operativen Gewinn feststellen lässt, werden Einsparungen etwa im Lieferkettenmanagement oder im Servicebetrieb berichtet.

Umsatzsteigerungen durch KI treten am häufigsten in Marketing und Vertrieb auf. Es folgen Produkt- und Dienstleistungsentwicklung sowie Softwareentwicklung.

Auch bei der Beschaffung von Software verändert KI Entscheidungen: 32 Prozent der Befragten berichten, dass ihre Unternehmen auf den Kauf mindestens eines Softwareprodukts oder einer Funktion verzichtet haben, weil eine entsprechende Lösung mit agentischen Codingtools intern entwickelt werden konnte. Damit erhält auch die Diskussion über eine mögliche KI-bedingte Schrumpfung des klassischen Softwaremarkts zusätzliche Nahrung.

Produktivität steigt – Risiken bleiben

Besonders deutlich fallen die Angaben zur persönlichen Arbeitsleistung aus. 80 Prozent der Befragten berichten von höherer individueller Produktivität durch KI, 50 Prozent von besseren Entscheidungen.

Gleichzeitig erleben Beschäftigte und Führungskräfte die Folgen unterschiedlich. 47 Prozent der Fachkräfte und Führungskräfte der mittleren Ebene geben an, mindestens eine negative Auswirkung von KI erfahren zu haben. Bei leitenden und obersten Führungskräften liegt dieser Anteil bei 31 Prozent. Zudem erwarten inzwischen 39 Prozent der Befragten einen KI-bedingten Personalabbau.

Der Einsatz verbreitert sich weiter: Fast neun von zehn Befragten nutzen KI regelmäßig in mindestens einem Geschäftsbereich. Der Anteil der Unternehmen mit KI-Nutzung in drei oder mehr Bereichen stieg von 51 auf 56 Prozent. Vor allem große Unternehmen treiben diese Entwicklung voran. Chatbots sind mit 47 Prozent unternehmensweiter Nutzung das am stärksten verbreitete KI-Werkzeug.

Investitionen bleiben hoch

Trotz bislang begrenzter direkt messbarer Gewinnbeiträge halten Unternehmen an ihren KI-Investitionen fest. 28 Prozent der Befragten geben an, mehr als zehn Prozent des gesamten IT-Budgets ihres Unternehmens für KI-Technologien auszugeben. 60 Prozent erwarten, dass diese Investitionen im kommenden Jahr weiter steigen.

Kosten können die Nutzung allerdings bremsen: Rund 20 Prozent berichten, dass KI-bezogene Betriebskosten einschließlich Token-Kosten den Einsatz bereits eingeschränkt haben.

Für die praktische KI-Beratung zeigt die Studie damit vor allem eine zentrale Herausforderung: Der Nutzen von KI lässt sich nicht allein am kurzfristigen Gewinn messen. Produktivität, Einsparungen und bessere Prozesse können ebenfalls relevant sein – zugleich wächst der Druck, diese Effekte nachvollziehbar mit den tatsächlichen Investitionen zu verbinden.

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